Praxisbericht: Mit top Fruchtbarkeit zu top Milchleistung

Landwirt Wissing bei Ketosewertmessung

Fruchtbare und langlebige Kühe sind mit dem passendem Management und einer wiederkäuergerechten Fütterung einfach zu erreichen. Wie? Landwirt Andre Wissing aus Bocholt zeigt seine praktische Vorgehensweise.

 

Status Quo

Seit über fünf Jahren sind Andre Wissing aus Bocholt (Nordrhein-Westfalen) und Sano ein bewährtes Team. Der Ursprung für die Zusammenarbeit lag in der Trockensteherfütterung. Bei Fruchtbarkeit und Klauengesundheit seiner 124-köpfigen Holstein-Friesian-Herde sah Landwirt Wissing noch Verbesserungspotential. Der Betrieb existiert bereits seit dem 18. Jahrhundert. Seit 2012 bewirtschaftet Andre Wissing den 60 ha großen Milchviehbetrieb als GbR mit seinem Vater Wilhelm Wissing.

Einphasige Trockensteherfütterung

Zusammen mit Fachberater Werner Daldrup analysierte der junge Milchviehhalter die Fütterung in allen Lebensphasen seiner Kühe. Begonnen wurde mit der Anpassung der Fütterung der trockenstehenden Kühe. Diese stellte Werner Daldrup von einem zwei- auf ein einphasiges Fütterungskonzept um. Hierdurch erzielten sie rund um die Kalbungen und zu Laktationsbeginn schnelle und deutliche Verbesserungen. Bei der ursprünglichen, zweiphasigen Fütterung wurde 14 Tage vor der Kalbung mit Kraftfutter angefüttert. „Das war einfach zu scharf – energetisch gut versorgt, jedoch übersäuert“, erklärt Andre Wissing rückblickend.

Kraftfutter für Trockensteher

Die Ration für die trockenstehenden Kühe beinhaltet alle Komponenten der laktierenden Kühe. Die Grundlage bildet Maissilage, ergänzt mit Grassilage, Luzernenheu und 2,7 kg Gerstenstroh zur Versorgung mit strukturierter Rohfaser. Je nach TS-Gehalt der Silagen passen Werner Daldrup und Andre Wissing die Strohmenge an. In die TMR werden ebenfalls 0,9 kg eines Eiweißgemisches sowie 0,5 kg einer Energiemischung eingemischt. Beides sind Kraftfuttersorten, die auch in der Ration der laktierenden Kühe enthalten sind.

Wirkstoffversorgung beachten

Über das Tränkwasser erhalten die Kühe 14 Tage vor der Kalbung im Abkalbestall noch zusätzlich ein Gemisch aus Propylenglykol und Glycerin. In der Trockenstehfütterung ist Topsan® mit 150 g pro Kuh und Tag fester Rationsbestandteil. Besonders für die Fruchtbarkeit ist eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen, Spurenelementen und Wirkstoffen in der Trockenstehzeit wichtig. Hierzu trägt Topsan® mit dem Wirkstoffkomplex Fertisan® und einer besonders hohen Konzentration an Vitaminen sowie organisch gebundenen Spurenelementen bei. Zur Milchfieberprophylaxe mischt Landwirt Wissing täglich 70 g Prenata50® pro Kuh ein.

Lange Nutzungsdauer

Die Nutzungsdauer zusammen mit der Tiergesundheit ist mir sehr wichtig“, bekräftigt Milchviehhalter Andre Wissing. Auf einen Tierzukauf verzichtet er und ersetzt ausscheidende Kühe komplett über die Eigenremontierung. Die Nutzungsdauer liegt aktuell bei sehr guten 4,4 Laktationen und die Lebensleistung der Abgangskühe bei 45.429 kg Milch.

Fruchtbarkeitskennzahlen

Erstkalbealter

24,1 Monate

Zwischenkalbezeit Jungkühe

387 Tage

Zwischenkalbezeit Kühe

410 Tage

Besamungsindex Färsen

1,9

Besamungsindex Jungkühe

1,6

Besamungsindex Kühe

1,9

Die durchschnittliche Einsatzleistung der Färsen beträgt 8.800 kg. Die Milchleistung der Kühe in der 2. Laktation erhöht sich auf 10.100 kg und die Durchschnittsleistung der Kühe ab der 3. Laktation liegt bei 10.800 kg Milch. Diese Leistungsanstiege sind ein sichtbares Zeichen für gesunde Lebern.

Färsenaufzucht

Diese guten Leistungen sind auch das Ergebnis einer zielgerichteten Färsenaufzucht. Die Tränkephase dauert etwa neun Wochen. Während dieser Zeit erhalten die Kälber zusätzlich Kuh-TMR plus etwas Kälber-Kraftfutter bis zu einem Lebendgewicht von 250 kg. Anschließend bekommen die Jungrinder eine Ration mit Maissilage, Grassilage von Naturschutzflächen, Rapsextraktionsschrot und Profisan®. Diese Ration wird bis acht Wochen vor der Kalbung gefüttert.

Keton-Körpertest

Im Zeitraum von fünf Tagen nach der Kalbung kontrolliert Andre Wissing bei allen Kühen den Keton-Körpergehalt im Blut mittels eines einfachen Kontrollgerätes (Precision Freestyle-ß-Keton). Liegt der Messwert hierbei über 1, reagiert Landwirt Wissing sofort und die betreffende Kuh erhält eine Flasche Glukose und Leberschutz. Somit wird die Stoffwechsellage der Frischabkalber intensiv und optimal überwacht. Zusätzlich wird Fieber gemessen.

Kraftfutter langsam steigern

„Ich bin kein Freund von großen pH-Wert Schwankungen im Pansen“, erläutert Milchviehhalter Wissing sein Fütterungskonzept für die laktierenden Kühe. Nach 35 Tagen wird am Transponder die maximale Gabe von 3 kg Leistungskraftfutter erreicht, die Färsen erhalten maximal 1,5 kg. „Energiemangel haben die meisten Tiere nach dem Kalben sowieso. Wichtig ist, dass der Pansen nicht sauer wird“, ist Andre Wissing überzeugt. Die Mischration für die Laktation ist auf 30 kg Milch ausgelegt. Hauptkomponente ist auch hier Maissilage, neben Grassilage, Luzernenheu und Stroh. Als Kraftfutter sind 3 kg Eiweißmix, 2,7 kg Energiemix sowie 0,5 kg Melasse enthalten. Abgerundet wird die Ration durch 600 g Mipro HP 600®. Dadurch wird die Ration optimal synchronisiert und der Wirkstoffkomplex RumenSAN® fördert die Futteraufnahme und Futterverwertung zusätzlich. Die Kühe sind energetisch besser versorgt und schmelzen weniger Körpermasse ein. Das Ergebnis: eine gute Fruchtbarkeit. Auch die Kraftfuttereffizienz kann sich mit 238 g / kg Milch (ECM) sehen lassen.

Im Team erfolgreich

„Wichtig ist mir die Zusammenarbeit aller Beteiligten: Gemeinsam mit Tierarzt und Fütterungsberater bespreche ich alle Themen“, erklärt der junge Landwirt. Im Fruchtbarkeitsmanagement ist die Tierarztpraxis Bahrenberg aus Hamminkeln intensiv eingebunden. Andre Wissing ist es durch sein konsequentes Management gelungen, Leistung, Fruchtbarkeit und die Gesundheit seiner Milchkühe miteinander zu verbinden.

Ihr direkter Kontakt zu uns

Werner Daldrup
Spezialberater Tierernährung Rind/Schwein
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