Durchfallerkrankungen bei Ferkeln

Ursachen und Folgen (Teil 1)

Der Durchfall bei Ferkeln – eine stetige Herausforderung auf den Schweinebetrieben. Er zählt zu den häufigsten Erkrankungen der Ferkel in der Säugezeit und der Absetzphase. Im ersten Teil der Serie „Durchfallerkrankungen bei Ferkeln“ erfahren Sie mehr über die wichtigsten Erreger und die typischen Symptome des Durchfalls.

E. Coli – ein Erreger mit vielen Gesichtern

Die am häufigsten vorkommende Durchfallerkrankung bei Ferkeln von der Geburt bis zum Absetzen stellt die Infektion mit E. coli dar. Es gibt Schätzungen, die davon ausgehen, dass es sich bei etwa 80 % aller Ferkeldurchfälle um E. Coli-Infektionen handelt und dass etwa 50 % aller Ferkelverluste auf diesen Erreger zurückgehen. Insbesondere hämolysierende E.coli-Stämme lösen schwere Durchfälle bei Saugferkeln aus. Sie heften sich an die Darmwand an und produzieren Gifte. Diese führen dazu, dass die Transportrichtung des Wassers, die normalerweise aus dem Darm in den Körper verläuft, umgekehrt wird. Beim Neugeborenen-Durchfall zeigt sich dann ein gelblicher-wässriger Durchfall. Der massive Wasserverlust führt zur Austrocknung, besonders sichtbar ist er an der starken Faltenbildung der Haut. Neugeborene Ferkel können nur über die Antikörper aus der Biestmilch geschützt werden. Hier sollte Wert auf das Biestmilchmanagement und die Qualität der Sauenmilch gelegt werden.

Tritt die Erkrankung im Alter von etwa drei Wochen auf, so zeigt sich ein eher gelblich-cremiger Durchfall und die Verluste sind geringer. Hier spielt die Immunität eine wesentliche Rolle (Abbildung 1). Die passive Immunität aus der Biestmilch ist zu dieser Zeit bereits zum Teil abgebaut, jedoch ist die aktive Immunität, die das Ferkel selbst aufbauen muss, noch sehr schwach. Daher bildet sich eine Lücke in der Immunität.

Enterotoxische E. Coli werden vor dem Absetzen eher selten nachgewiesen. Diese Stämme verursachen in der Regel die sogenannte Ödemkrankheit und die typischen Absetzdurchfälle im Alter von drei bis fünf Wochen. Man kann drei Verlaufsformen unterscheiden:

1. Durchfall: wässrig, graubraun, manchmal blutig, Ferkel kümmern.

2. Ödemkrankheit: Wassereinlagerungen auf der Nase, an den Augenlidern und auch im Gehirn möglich, dadurch kann es zu Lähmungen kommen.

3. Schock: völlig gesunde Tiere erleiden einen Toxin-Schock und verenden.

Kokzidien – Hygiene ist der entscheidende Faktor

Die Kokzidiose tritt beim Saugferkel vor allem in der Phase zwischen dem siebten und 14. Lebenstag auf, also in der zweiten Lebenswoche. Kokzidien zerstören die innere Schicht der Darmwand. Die Sterberate der infizierten Ferkel liegt bei bis zu 20 %. Bei einem milden Verlauf der Erkrankung neigen die Ferkel oft zum Kümmern und zeigen in der Aufzucht und Mast deutlich reduzierte Leistungen, da der Darm nachhaltig geschädigt wurde. Ein Merkmal für die Erkrankung ist, dass der Durchfallkot der Ferkel pastös-gelblich bis hin zu wässrig-gelblich ist. Wie viele Ferkel in einem Wurf erkranken ist unterschiedlich. Sauen oder ältere Ferkel sind in der Regel Träger des Parasiten und infizieren die Saugferkel. Außerdem können die Eier bis zu einem Jahr lang in den warmen und feuchten Ecken des Abferkelstalls überleben. Unabdingbar ist somit ein ausgefeiltes Hygiene-Management. Vorbeugend sollten die Ferkel mit Antiparasitika behandelt werden, wenn bereits Kokzidiose im Bestand vorkommt. Haben Ferkel die Infektion einmal überlebt, so haben sie einen lebenslangen Antikörper-Schutz.

Clostridium – Zwei Typen

Clostridien kommen in unseren Schweinebeständen in zwei unterschiedlichen Typen vor: Clostridium perfringens Typ A und Typ C. Genau wie E. coli werden auch Clostridien direkt nach der Geburt aus der Umwelt aufgenommen. Reinigung und Desinfektion spielen hier aber eine noch größere Rolle, da Clostridien deutlich widerstandsfähiger gegen die üblichen Desinfektionsmittel sind als E. coli. Zudem stellen auch der Kot der Sau und ein schmutziges Gesäuge eine potentielle Infektionsquelle dar.

Typ C ist der „klassische“ Erreger der „nekrotischen Enteritis“. Sie bricht bereits ab dem zweiten Lebenstag der Ferkel aus und führt zu braun-rötlichem Durchfall. Die rötlich-blutige Farbe entsteht, da Clostridium ein Toxin produziert, das die Darmschleimhaut angreift und zerstört. Eine Heilung der Ferkel ist nicht möglich, die Infektion wird bei Überleben des Tieres meist chronisch. Der Durchfall bekommt dann eine gelbliche Farbe und eine schaumige Konsistenz.

Clostridium perfringens Typ A ist in den vergangenen Jahren immer mehr zur Herausforderung in den Betrieben geworden. Man nimmt an, dass es durch Antibiotikaeinsatz, gegen E. Coli, zu Verschiebungen im Darm-Milieu kommt, das wiederum die Entwicklung vom Clostridium Typ A fördern könnte. Der Verlauf und die Symptome sind ähnlich wie bei Typ C, jedoch deutlich milder. Vor allem die akute Form in den ersten Lebenstagen ist nur schwer vom E. coli-Durchfall zu unterscheiden. Die genaue Durchfallursache sollte immer per Labordiagnostik abgeklärt werden.

Für beide Typen des Clostridium perfringens gibt es die Möglichkeit der Mutterschutzimpfung, wobei beim Typ A ein stallspezifischer Impfstoff entwickelt werden muss.

Fazit

Es gibt zwar viele unterschiedliche Durchfallerkrankungen, die meisten lassen sich aber anhand der Symptome und des Zeitpunkts, zu dem sie auftreten relativ gut identifizieren. Mutterschutzimpfprogramme und die genaue Bestimmung der jeweiligen Erreger sollten aber immer im Detail mit dem Tierarzt abgesprochen werden, damit die Maßnahmen den gewünschten Effekt haben.

Lesen Sie im nächsten Teil dieser Serie, wie Sie Rotavirus, Coronavirus, Dysenterie und PIA erkennen und welche vorbeugenden Maßnahmen Sie treffen können.

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