Erste Lebensstunde

Fütterungskonzept Schwein für viele Ferkel und viel Fleisch

Bedeutung der Phase

Die Grundsteine für eine erfolgreiche Ferkelproduktion werden bereits vor der Geburt der Ferkel über die Fütterung der Sauen gelegt: die Anzahl der lebend geborenen Ferkel und das Geburtsgewicht (SOLL: > 1,5kg).

Je höher die Geburtsgewichte Ihrer Ferkel sind, desto bessere Überlebenschancen haben sie. Die meisten Saugferkelverluste kommen in den ersten 3 Tagen nach der Geburt vor und werden zu 78% durch Erdrücken und Lebensschwäche verursacht (Hoy, 2003).

Sind Ihre Ferkel also kräftig und widerstandsfähig bei der Geburt, sinken die Saugferkelverluste. Ein Ferkel hat nach der Geburt nur geringe Energiereserven und unterkühlt schnell. Deshalb ist es besonders wichtig, den frisch geborenen Ferkeln einen zusätzlichen Energieschub zu geben, damit sie schnell an das Gesäuge finden, um sich eine milchreiche Zitze zu sichern und in ihr warmes Ferkelnest zu gelangen.

Sind Ihre Ferkel fit und vital, können sie sich auch eher vor der sich niederlegenden Sau retten.
Kurz nach der Geburt der Ferkel ist vor allem die frühzeitige Aufnahme von Biestmilch (Kolostrum) ein weiterer sehr entscheidender Erfolgsfaktor. Die Biestmilch enthält Abwehrstoffe, so genannte Immunglobuline oder Antikörper, die das Ferkel vor lebensbedrohenden Krankheiten (Verdauungsstörungen, Atemwegserkrankungen, Gelenkentzündungen etc.) schützen.

Das Ferkel kommt ohne eigene Immunabwehr zur Welt  und ist sofort einer Vielzahl von Krankheitserregern ausgesetzt. Allerdings entwickelt sich erst ab der zweiten Lebenswoche das körpereigene aktive Immunsystem des Ferkels. Somit ist es die erste Zeit nach der Geburt vollständig auf den Schutz durch die in der Biestmilch enthaltenen Abwehrstoffe angewiesen.

Wichtig ist hierbei die frühzeitige Aufnahme des Kolostrums, da:

  1. die Fähigkeit der Ferkel diese Abwehrstoffe aus dem Darm ins Blut zu absorbieren, bereits 6h nach der Geburt deutlich absinkt und spätestens nach 24h beendet ist.
  2. der Immunglobulingehalt in der Sauenmilch nach der Geburt schnell absinkt und sich innerhalb von 12h halbiert.

Bei Jungsauen kommt erschwerend hinzu, dass die Antikörperkonzentration in der Biestmilch insgesamt geringer ist als bei Altsauen. Im Optimalfall sollte ein Ferkel direkt nach der Geburt 200ml Kolostrum aufnehmen.

Dies ist oftmals schwierig, da insbesondere die zuletzt geborenen Wurfgeschwister erst spät Biestmilch aufnehmen können, die weniger Immunglobuline enthält als bei den Erstgeborenen.

Leidet eine Sau zusätzlich noch an Milchmangel bzw. MMA, ist eine ausreichende Kolostrumaufnahme nicht mehr gewährleistet. Dies hat Konsequenzen für die Zukunft des Ferkels: unzureichend mit Kolostrum versorgte Ferkel bilden später auch eine schlechtere aktive Immunität aus.

 


 

Leistungsziele

  • gesunde Ferkel, die schnell Milch aufnehmen
  • schnelle Entwicklung und hohe Zunahmen
  • geringe Saugferkelverluste