Es muss nicht Shredlage sein

Auf die Körnerzerkleinerung kommt es an

Das Thema Shredlage und die in deutschen Versuchen erzielten Ergebnisse werden in der Fachpresse und unter Landwirten intensiv diskutiert. Doch es muss gar nicht die längere Häcksellänge mit aufgefaserten Pflanzenteilen sein. Entscheidend für viel Milch ist die perfekte Körnerzerkleinerung, berichtete Prof. Dr. Michael Hutjens aus Illinois von Erfahrungen in den USA.

Der Experte in Sachen Milchviehfütterung erläuterte beim Sano Zukunftsdialog Rind – Milchviehfütterung 4.0, dass der CSPS (Corn Silage Processing Score) oder auch KPS (Kernel Processing Score) die für ihn entscheidenden Bewertungsgrundlagen der Häckselqualität einer Maissilage sind. Beide Abkürzungen können mit „Bewertung der Körneraufbereitung“ übersetzt werden und sind in den USA eine gängige Kenngröße, die bei Laboranalysen ermittelt wird. Hierzu wird die Maissilage im Labor getrocknet und automatisch durch ein Siebsystem mit 4,75 mm Siebgroße geschüttelt. Dabei werden drei Stufen der Körnerzerkleinerung unterschieden:

  • ungenügend: CSPS oder KPS < 50 %
  • durchschnittlich: CSPS oder KPS 50 – 70 %
  • sehr gut: CSPS oder KPS > 70 %

 

Maiskörner fein zerkleinern

Der Milchviehexperte fordert dabei eine Häckselqualität, bei der die Maiskörner vollständig fein zerkleinert sind und die Silagen Werte von > 70 % erreichen. Nur halbierte oder geviertelte Körner sind für ihn völlig inakzeptabel. Denn die Stärke wird weder im Pansen noch im Darm vollständig verdaut, sondern teilweise unverdaut wieder ausgeschieden. Amerikanische Forschungsergebnisse zeigen: Die Verbesserung der Körneraufbereitung von „ungenügend“ auf „durchschnittlich“ bringt eine Mehrleistung von bis zu 1 kg Milch pro Kuh und Tag. Die weitere Verbesserung auf eine sehr gute Aufbereitung hat eine weitere Leistungssteigerung von bis zu 1 kg Milch zur Folge. Von ungenügender zu sehr guter Körnerzerkleinerung sind das also täglich bis zu 2 kg Milch.

Erfolgsfaktor Silierdauer

Doch nicht nur die sehr feine Zerkleinerung der Maiskörner in den guten amerikanischen Maissilagen erklären die hohen durchschnittlichen Herdenleistungen von mehr als 40 kg Tagesmilch. In den USA werden zum Silieren Siliermittel eingesetzt und die hergestellten Silagen bleiben für mindestens drei bis vier Monate geschlossen. In dieser Zeit findet eine intensive Fermentation statt, die dazu führt, dass die Stärke später im Pansen vollständig von den Pansenmikroben genutzt werden kann. Die Milchfarmen öffnen ihre Maissilos frühestens Ende Dezember. Deshalb sprechen die amerikanischen Landwirte auch von „Weihnachts-Silagen“.

 

Reststärke im Kot

Kann die Kuh die Stärke nicht verdauen, dann wird sie mit dem Kot ausgeschieden. Dies ist der Fall, wenn Partikel von Mais- und Getreidekörnern im Kot erkennbar sind. Die Stärkeverluste sind nicht immer sichtbar. Die Auswaschprobe liefert hier lediglich einen Hinweis. Um die Verlustrate genau zu bestimmen, ist es empfehlenswert, frischen Kot im Labor untersuchen zu lassen. Bei Werten von > 5% Reststärke im Kot muss eine Überprüfung der Gesamtration und der einzelnen Stärkequellen erfolgen. Insbesondere der Vermahlungsgrad = Feinheit sind zu kontrollieren.

 

Häckselqualität bei der Ernte kontrollieren

Qualitativ gute Maissilagen lassen sich auch mit der herkömmlichen Häcksel- und Crackertechnik erzielen. Dafür muss der Cracker so eingestellt sein, dass alle Körner fein zerkleinert werden. Und auch die Restpflanze muss gleichmäßig zerkleinerte Strukturen aufweisen. Es dürfen keine ganzen Spindelscheiben, Lieschblätter und Stängelteile > 2 cm beim Kurzschnitt enthalten sein. Denn schlechte Häckselqualität kostet Milch! Beim Häckseln deshalb verstärkt auf die Qualität achten und nicht nur auf die Quantität!

Sprechen Sie deshalb im Vorfeld mit Ihrem Lohnunternehmer über Ihre persönlichen Anforderungen an eine gute Häckselqualität. Damit die Faktoren Mensch (Häckslerfahrer) und Technik (Häcksler) richtig arbeiten und eingestellt sind.

 

Punkte für eine gute Häckselqualität

  • passende Messertrommel
  • scharfe Messer und Gegenschneide
  • optimaler Druck auf Messer / Gegenschneide durch passende Einzugs- und Fahrgeschwindigkeit!
  • Crackerzustand und –einstellungen (scharf, Walzenabstand und Drehzahldifferenz)

Insbesondere die Walzenabstände beim Cracker sind oft bei (zu) hohen Fahrgeschwindigkeiten und daraus resultierenden hohen Mengen an Pflanzenmaterial zu groß. Darunter leidet dann insbesondere die Körnerzerkleinerung. Die Mehrkosten für längere Maschinenlaufzeiten sind niedriger als die Folgekosten einer schlechten Häckselqualität für Milchleistung, -inhaltsstoffe und Tiergesundheit.

 

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