Pansengeschützter Zucker: Die „Infusion“ für den Besamungserfolg

Kühe in der Transitphase – drei Wochen vor bis vier Wochen nach der Kalbung – sind oft nicht in der Lage, den Glukosebedarf über das Futter komplett zu decken. Ein niedriger Blutzuckerspiegel wird häufig mit Unfruchtbarkeit in Verbindung gebracht. Die experimentell nachgewiesene positive Wirkung von Zuckerinfusionen für Eisprung und Trächtigkeit verdeutlichen dies. Die Fütterung von pansengeschütztem Zucker in dieser Phase entlastet die Leber, unterstützt den Besamungserfolg und verbessert die Milchleistung

 

Drei Kilo Zucker pro Tag

Eine Kuh mit einer Tagesmilchleistung von 40 kg hat hierfür einen Zuckerbedarf von etwa 3.000 g Rund 1.000 g Zucker werden täglich für den Intermediärstoffwechsel und die Fruchtbarkeit benötigt. Die weiteren 2.000 g ergeben sich rechnerisch aus dem Milchzuckergehalt (Lactose), der mit etwa 4,8 % konstant ist. Deshalb bedeutet eine Verbesserung der Zuckerversorgung immer auch eine Erhöhung der Milchleistung. 100 bis maximal 1.200 g des Zuckerbedarfs kann die Kuh über pansenstabile Stärke aufnehmen. Über den Abbau von Aminosäuren können bis zu 500 g beigesteuert werden. Diese Aminosäuren sind dann jedoch verbraucht und stehen nicht mehr für die Milcheiweiß-Synthese zur Verfügung.

 

Zucker-Kraftwerk Leber

Den übrigen Zucker (1.300 bis 2.000 g) muss die Kuh in der Leber aus Propion- und Milchsäure neu bilden. Die im Pansen entstehenden Fettsäuren werden von den Pansenzotten aufgenommen und gelangen mit dem Blut in die Leber, wo sie zur Zuckerneubildung genutzt werden. Die Zuckerversorgung der Kuh ist also direkt von der Syntheseleistung der Leber abhängig.

 

Hoher Blutglukosespiegel = Erfolgreiche Besamung

Frisch abgekalbte Kühe erreichen häufig nicht die physiologisch erforderlichen Blutglukosegehalte von ca. 60 mg / dL. Die Folgen sind auch mehrere Wochen später, wenn die Kuh besamt werden soll, zu spüren: Die Kühe zeigen keine deutlich Brunst und oft sind mehrere Besamungen erforderlich bis eine Trächtigkeit erzielt werden kann. Die Ursache: Die Blutglukose fördert die Ausschüttung von Insulin und des insulinähnlichen Wachstumsfaktors 1 (IGF-1), die wiederum Rezeptoren an den Eierstöcken für die Fruchtbarkeitshormone LH und FSH aktivieren. LH und FSH steuern Brunst, Eisprung und Anwachsrate. Das zeigt auch die Studie von Garverick (et. al., 2012): Hierbei wurden in der Transitphase von allen Kühen der Blutzuckerspiegel erfasst. Nach der Trächtigkeitsuntersuchung wurden die Tiere dann in zwei Gruppen eingeteilt:

  • Gruppe 1 (schwarze Punkte):    Erste Besamung schon erfolgreich (tragend)
  • Gruppe 2 (weiße Punkte):          Erste Besamung nicht erfolgreich (nicht tragend)

Das Ergebnis: Kühe, die schon bei der ersten Besamung trächtig wurden (Gruppe 1), hatten rund um die Abkalbung (Tag -5 bis +20) einen höheren Blutzuckerspiegel, als die Kühe, die bei der ersten Besamung nicht tragend wurden (Gruppe 2). Die Unterschiede der beiden Gruppen konnten am Tag der Abkalbung und drei Tage danach statistisch abgesichert werden (* = signifikant, p < 0,05).

 

Steigern Zucker-Infusionen den Blutglukosespiegel?

Lucy (et. al., 2013) hat untersucht, ob intervenöse Glukose-Infusionen den Blutzuckerspiegel erhöhen können. Als Kontrolle wurde eine Saline-Infusion (Kochsalzlösung) verwendet (0 bis 24 h). Danach erhielten die Kühe zunächst 500 g Glukose / Tag (24 bis 48 h), am Tag darauf 1.000 g (48 bis 72 h) und dann 1.500 g (72 bis 96 h). Anschließend folgte wieder eine Kontrollanwendung mit Saline. Die Ergebnisse zeigen, dass Glukose-Infusionen den Blutzuckerspiegel bei beiden Rassen (Guernsey und Holstein) von ca. 50 mg / dL auf ca. 55 bis 70 mg / dL anheben (bei 500 bzw. 1.000 g Glukose). Um 70 mg / dL ist eine Plateaubildung zu erkennen. Weitere Glukosegaben (1.500 g) haben keinen Einfluss mehr auf den Blutzuckerspiegel der Kühe.Holstein)

 

B g , , , mg/dL<br />
-c-Holstein<br />
1

 

Praxistest: Pansengeschützter Zucker wirkt

Die norditalienische Maina Farm mit aktuell 162 laktierenden Kühen und einer Milchleistung von 11.600 kg (3,86 % Fett, 3,34 % Eiweiß) fütterte bisher ein pansengeschütztes Fett. In einem aktuellen Praxistest setzte Tierarzt und Sano Fütterungsexperte Dr. Paolo Fissore 100 g DextroFAT Protect® in der Transitphase und 500 bis 600 g in der Laktation ein. DextroFAT Protect® ist eine speziell von Sano entwickelte Kombination aus 50 % pansengeschütztem Zucker und 50 % pansenstabilem Fett.

Die Ergebnis der Zucker-Fett-Kombination:

  • Verringerung der Güstzeit um ca. 10 Tage durch früher trächtig werdende Kühe.
  • Verbesserung des Besamungserfolges: Non-Return-Rate (erfolgreiche Erstbesamung) stieg von 70 % auf 80 %

 

Fazit

Tiergesundheit und Fruchtbarkeit von Hochleistungsherden kann mit der Fütterung von pansengeschütztem Zucker einfacher gemanagt werden. Besonders die Güstzeit und der Besamungsindex konnte im Praxistest auf der Maina Farm effektiv verringert werden. Die pansenstabile Kombination „Zucker + Fett“ brachte dabei deutliche Vorteile gegenüber der Verwendung von gewöhnlichem, pansengeschützem Futterfett. „DextroFAT Protect® ist ein kraftvolles Werkzeug, um die Fruchtbarkeit zu fördern“, so die Erfolgsbilanz des italienischen Landwirtes.

Wie die pansenstabile Kombination Zucker + Fett den Energiestoffwechsel stabilisiert und Transitkühe vor Ketose schützt, lesen Sie im nächsten Newsletter.

 

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Jedes Tier durchläuft unterschiedliche Lebens- und Leistungsphasen. Von der Befriedigung der Bedürfnisse in den einzelnen Phasen hängt der weitere Erfolg hinsichtlich Gesundheit und Leistung der Tiere ab.

Die Optimierung der Kuhfütterung sollte ein kontinuierlicher Prozess auf jedem Betrieb sein. Zeitlich lässt es sich häufig nicht umsetzen. Mit den derzeitigen Milchpreisen wird oft jede Möglichkeit zum Sparen genutzt. Das Rationieren an der falschen Stelle kann erhebliche Kosten verursachen.