Teil 2: Durchfallerkrankungen bei Ferkeln

Ursachen und Folgen

Dysenterie, PIA und Co. haben in den letzten Jahren wieder an Bedeutung gewonnen, obwohl die Hygienebedingungen und das Management in den Betrieben ständig verbessert werden. Für Landwirte ist es zunehmend wichtig, Krankheiten früh zu erkennen, um Verluste gering zu halten. Durchfall bei Ferkel: Die wichtigsten Fakten rund um PIA, Dysenterie und Rota-Viren haben wir für Sie zusammengestellt.

 

Durchfall bei Ferkel - PIA

 

PIA steht für PorcineIntestinale Adenomatose. Dabei handelt es sich nicht um eine Krankheit oder den Namen des Erregers, sondern um die Verlaufsform einer Krankheit, die vom Bakterium „Lawsonia intracellularis“ verursacht wird. Das Bakterium dringt in die Darmschleimhautzellen ein, lebt dort, schädigt die Zelle nachhaltig und ruft so Durchfallerkrankungen hervor. Verschiedene Literaturquellen gehen von weltweit etwa 30 bis 90% betroffener Betriebe aus. Allein in den USA liegen die geschätzten Verluste bei vielen Millionen Dollar.

Bei PIA unterscheidet man zwischen akuter und chronischer Verlaufsform.

Chronische Verlaufsform

Chronische Erkrankungsformen treten besonders in der Ferkelaufzucht und in der Vormast auf. Todesfälle sind eher selten zu beobachten. Wenn Tiere sterben, dann plötzlich und oftmals ohne vorherige Krankheitsanzeichen. Gewöhnliche Anzeichen für PIA sind Durchfall, Appetitlosigkeit und dadurch schlechte Zunahmen. Eine große Herausforderung ist das Auseinanderwachsen vor allem im Mastbereich. Der breiige bis wässrige Durchfall hat eine bräunliche bis gelbliche Farbe, kann jedoch auch schwarz sein oder Blutbeimengungen enthalten. Daher kann man PIA leicht mit Dysenterie verwechseln.

Akute Verkaufsform

Die akute Verlaufsform tritt seltener auf und ist hauptsächlich bei älteren Tieren in der Endmast verbreitet. Häufige Symptome sind blutiger bis teerähnlicher Durchfall und teilweise Kreislaufversagen.

Lawsonien können eine gewisse Zeit unter günstigen Umweltbedingung überleben, sind jedoch gegen die gängigen Desinfektionsmittel relativ empfindlich. Da die Infektion über Kotreste oder direkten Tierkontakt übertragen wird, ist striktes Rein-Raus-Verfahren mit Reinigung und Desinfektion eine Voraussetzung dafür, um den Erreger in den Griff zu bekommen. Ebenso sollte man Zukauftiere aus infizierten Beständen beobachten, auch wenn sie klinisch unauffällig sind.

Einen Krankheitsausbruch begünstigt man durch Stressfaktoren wie Futterumstellung, Transport, Umstallung, Umgruppierung und Parasiten. Eine Behandlung erkrankter Schweine über Futter oder Trinkwasser verspricht Erfolg, wenn man sie lange und genügend hoch dosiert einsetzt. Geeignet sind Tetracyclin, Lincospectin und Tylosin-Sulfonamid-Kombinationen. Nach der Empfehlung der Landwirtschaftskammer Nordrein-Westfalen lässt sich die Erkrankung mit einer gezielten Einstallprophylaxe mit einer Dauer von zehn Tagen vorbeugen.

 

Durchfall bei Ferkel - Dysenterie

 

Die Dysenterie ist seit vielen Jahren in der Schweineproduktion bekannt. Nach dem Verbot der antibiotischen Leistungsförderer verschlimmerte sich die Situation in Europa, da sie die Erreger bis dahin größtenteils verhinderten. Die Dysenterie führt zu schweren Dickdarmentzündungen, die sich auf den Blinddarm der Tiere ausbreiten kann. Infektionsquelle sind latent erkrankte Tiere, die neu in den Bestand kommen, wobei die Inkubationszeit etwa ein bis zwei Wochen beträgt. Ebenso können durch einen Kontakt mit Kot oder Kotresten von infizierten Tieren sowie mit Gerätschaften oder Personen, die mit infizierten Tieren Kontakt hatten den Erreger übertragen. Eine weitere Infektionsquelle stellen Nager, Vögel und Haustiere, die Zugang zum Stall haben, dar. Dysenterie-Erreger können lange Zeit im Bestand vorhanden sein, ohne, dass die Krankheit ausbricht. Erst wenn Stressfaktoren wie Überbelegung oder andere Erkrankungen auftreten, bricht die Dysenterie aus.

Die Krankheit kann man in zwei verschiedene Verlaufsformen unterscheiden.

Akute Verlaufsform

Bei der akuten Erkrankung entleert sich der Darm innerhalb kurzer Zeit und die Tiere haben auffällig eingefallene Flanken. Der Durchfall ist bräunlich und im fortgeschrittenen Stadium auch blutig. Durch den hohen Flüssigkeitsverlust reagieren die Tiere mit stark vermehrter Wasseraufnahme.

Chronische Verlaufsform

Das Krankheitsbild der chronischen Erkrankung setzt sich vor allem aus starken Kümmern und bräunlich bis gräulichen Durchfall zusammen.

Für eine erfolgreiche Bekämpfung sind folgende Schritte wichtig:

  • Striktes Rein-Raus-Verfahren
  • Konsequente Reinigung und Desinfektion
  • Regelmäßige Schadnager- und Insektenbekämpfung
  • Behandlung der Güllekeller und der Spalten mit Alzogur (gründlich nachspülen)

Die antibiotische Behandlung besteht meist aus zwei Teilen: Per Injektion und über Fütterungsantibiotika. Die Dauer der Behandlung darf keinesfalls zu kurz sein und alle Maßnahmen sollten immer detailliert mit dem Tierarzt abgesprochen werden.

 

Durchfall bei Ferkel - Rotavirus

 

Rotaviren sind in vielen Betrieben verbreitet. Vor allem bei Saugferkeln kommt es immer wieder zu Rotavirus-Infektionen. Da die Infektion bei fast allen Schweinen früher oder später im Leben einmal auftritt, bilden die Sauen oftmals genügend Antikörper, um das Ferkel in den ersten zwei Lebenswochen zu schützen. Eine Voraussetzung für die Bildung der Antikörper ist eine gute Biestmilchaufnahme und ein guter Gesundheitsstatus der Sauen. Die meisten Infektionen treten Ende der zweiten und in der dritten Lebenswoche auf, da zu diesem Zeitpunkt die passive Immunität über die Biestmilch abgebaut ist. Bei Würfen von Jungsauen können Saugferkel auch schon vor der zweiten Woche erkranken. Die Durchfälle sehen bräunlich bis milchig aus und haben gelb-flüssige Beimengungen. Mit Sterblichkeitsraten zwischen 5 und 20% gehören Rotaviren eher zu den „harmloseren“ Durchfallerregern. Gegen das Rotavirus gibt es keine Impfung und auch die Behandlung mit Antibiotika hilft nur, um bakterielle Sekundärinfektionen zu bekämpfen, nicht das Rotavirus selbst.

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