Teil 3: Durchfallerkrankungen bei Ferkeln

Prophylaxe durch Fütterung

Bei Durchfallerkrankungen von Ferkeln spielt die Fütterung oftmals eine große Rolle. Studien belegen, dass Fütterungsfehler immer noch etwa 50 % der Durchfallerkrankungen auslösen oder maßgeblich begünstigen. Daher bildet ein stimmiges Fütterungskonzept die Basis für eine gesunde Ferkelaufzucht. Erfahren Sie im dritten Teil unserer Serie, wie Rohprotein, Sauenfütterung und Prestarter optimal gestaltet werden können, um Tierarztkosten und Verluste durch Durchfall bei Ferkel zu reduzieren.

 

Gesundheit der Sau

 

In den ersten Lebenstagen fressen Ferkel noch kein festes Futter. Also muss die Sau alles Notwendige mit der Muttermilch, vor allem mit der Biestmilch, für das Ferkel liefern. Wichtig ist hierbei, dass eine Routine zur MMA-Prophylaxe im Betrieb etabliert wird. Eine Sau, die Fieber hat, keine Milch gibt oder die Futteraufnahme verweigert, kann nicht in der Lage sein, ihre Ferkel adäquat zu versorgen. Durchfall bei Ferkel ist die Folge. Sorgen Sie deshalb für ausreichend Rohfaser, geringe Calcium- und Rohproteingehalte in der Fütterung zur Geburtsvorbereitung. Eine ausreichende Wasseraufnahme der Sau rund um die Geburt, sowie konsequentes Hygienemanagement runden die MMA-Vorsorge ab. Um das Immunsystem der Ferkel weiter zu unterstützen, kann die Zugabe von Vitamin E zum Sauenfutter rund um die Geburt einen wichtigen Beitrag leisten. Vitamin E ist fettlöslich und wird somit über die Milch an die Ferkel weitergegeben.

 

Prestarter

 

Ferkel haben besonders in den ersten Lebenswochen und der Absetzphase ein sehr sensibles Verdauungssystem, das sich erst an pflanzliche Futtermittel gewöhnen muss. Einen guten Beitrag dazu leisten Prestarter. Achten Sie bei der Wahl des Prestarters immer auf die Eiweißqualität. Prestarter sollten keinen Sojaextraktionsschrot enthalten, da dieser antinutritive Faktoren enthält, die das Durchfallrisiko stark erhöhen. Besser geeignet ist Sojaproteinkonzentrat. Es enthält das reine Protein aus der Sojabohne und ist somit ideal geeignet, um das Ferkel auf die spätere Verdauung von Sojaschrot vorzubereiten, ohne, dass antinutritive Substanzen die Verdauung beeinträchtigen. Zusätzliche runden Komponenten wie Milchbestandteile oder Bierhefe das Proteinprofil ab.

 

Durchfall bei Ferkel - Futterkomponenten 

 

Besonders in Zeiten mit hohen Preisen für Eiweißfuttermittel diskutieren Fütterungsexperten immer wieder alternative Eiweißträger in der Fütterung. Dabei kommt es vor allem auf die Verdaulichkeit des Rohproteins an. Denn es gilt: Je weniger davon das Schwein verdauen kann, desto mehr unverdaute Bestandteile kommen im Dickdarm an. Dort bilden sie die Nahrung für Coli-Bakterien. Diese können sich vermehren und dann Coli-Durchfälle und die Ödem-Krankheit auslösen. Aus der folgenden Tabelle kann die Verdaulichkeit des Lysins unterschiedlicher pflanzlicher Eiweißträger abgelesen werden.

 

Es zeigt sich, dass vor allem Raps, Sonnenblumen und Nebenprodukte hier eher schlecht abschneiden. Raps ist zudem durch seinen schlechten Geschmack und den geringen Energiegehalt nicht für die Absetzphase zu empfehlen. Je älter die Ferkel werden, desto mehr Raps kann jedoch verwendet werden, so dass zu Mastbeginn bereits etwa  5% möglich sind. Leguminosen haben zwar mittlere Werte bei der Verdaulichkeit, aber den Nachteil, dass ihre Inhaltsstoffe von Partie zu Partie stark schwanken und sie zudem antinutritive Stoffe enthalten. Daher ist der Einsatz für Säuge- und Absetzphase generell nicht zu empfehlen. Danach kann die eingesetzte Menge langsam gesteigert werden. Es empfiehlt sich jedoch regelmäßig Futterproben zu nehmen und die Ration an die schwankenden Inhaltsstoffe anzupassen. Eine gute Alternative, vor allem bei jungen Ferkeln, bietet Kartoffeleiweiß. Hier sollten Sie jedoch explizit darauf achten, dass die Ware entbittert wird, da sonst negative Auswirkungen auf die Futteraufnahmen zu befürchten sind. Wie beim Prestarter gilt auch in der Absetzphase: Vermeiden sie Sojaschrot und setzen Sie stattdessen besser Sojaproteinkonzentrat ein.

Tierische Eiweißquellen wie Milchbestandteile oder Fischmehl sind gute Komponenten für Ferkel. Dabei dürfen die ökonomischen Betrachtungen jedoch nicht zu kurz kommen. Fischmehl eignet sich unter diesem Aspekt vor allem für junge Ferkel und auch nur mit 2 bis 3 % Einsatz. Achten Sie auf eine hygienische Lagerung und darauf, dass der Rohstoff während der Lagerung nicht ranzig wird.

Blutplasma ist immer noch eine häufig erwähnte Komponente. Alternativ gibt es seit einiger Zeit auf dem Markt Blutzellen aus Schweineblut. Sie sind hygienisch unbedenklicher und daher auch auf Betrieben einsetzbar, die mit Rindern bzw. mit Futtermitteln für Wiederkäuer Kontakt haben. Die Blutzellen werden durch Zentrifugation gewonnen und spiegeln das Aminosäureprofil wieder, welches das Ferkel zum Aufbau von Muskeleiweiß, also für das Wachstum, benötigt.

 

Rohproteingehalt und Säurebindungskapazität

 

Ein wichtiger Baustein in der Durchfallprophylaxe wird vom Ferkel selbst gebildet: Die Magensäure. Diese Barriere führt dazu, dass krankmachende Keime, die das Schwein aufnimmt, abgetötet werden und „startet“ den Verdauungsprozess. Nur wenn das Ferkel in der Lage ist, das angebotene Futter ausreichend zu durchsäuern, kann Durchfall vorgebeugt werden. Hier gilt es das Ferkel zu unterstützen, indem der pH-Wert des Futters bereits bei Aufnahme möglichst gering ist. Zusätzlich sollte das Futter die Eigenschaft einer möglichst geringen Säurebindungskapazität aufweisen.

Die Säurebindungskapazität eines Futters gibt an, wie viel Magensäure das Ferkel bilden muss, um 1 kg Futter auf einen pH-Wert von 3 zu reduzieren.

Rohprotein und Calcium wirken grundsätzlich puffernd. Das heißt, sie erhöhen die Säurebindungskapazität und haben somit negativen Einfluss. Die Ration muss demnach so wenig Calcium und Rohprotein wie möglich enthalten, dabei aber immer noch den Bedarf für das hohe Wachstum decken. Beim Calcium sollte der Gehalt im Ferkelfutter etwa bei 0,7 bis 0,8 % liegen. Um den Rohproteingehalt der Mischung zu reduzieren, müssen kristalline Aminosäuren zum Einsatz kommen. Hier hat sich der Einsatz vom Lysin, Methionin/Cystein, Threonin und Tryptophan seit vielen Jahren bewährt. Produkte der neuen Generation enthalten darüber hinaus teilweise noch eine 5. Aminosäure, das Valin. Valin kann bei gezieltem Einsatz das Aminosäureprofil des Futters verbessern. Dadurch wird die Futterverwertung gesteigert und es kann auf überflüssige Eiweißträger verzichtet werden. Die Verdaulichkeit der Komponenten spielt hier ebenfalls ein Rolle (siehe oben). Der Rohproteigehalt im Absetzfutter sollte deutlich unter 17 % liegen, um die Säurebindungskapazität so gering wie möglich zu halten.

Die Fütterung der Sau ist optimiert, die Komponenten der Ferkelmischungen sind unter die Lupe genommen worden und der passende Prestarter ist ausgewählt. Ein weiterer interessanter Aspekt sind Futterzusatzstoffe, von denen es eine Vielzahl auf dem Markt gibt.

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