Teil 3: GVO-freie Fütterung

Alternative Eiweißquellen

Verbraucher fordern immer mehr den Verzicht auf gentechnisch veränderte Organismen in der Ernährung der landwirtschaftlichen Nutztiere. Für den Landwirt bedeutet dies ein Verzicht auf Sojaextraktionsschrot. Lesen Sie im dritten Teil der Serie über die Möglichkeit der Substitution durch Biertreber und Sonnenblumenextraktionsschrot.

Was ist Biertreber?

Bei der Herstellung von Bier wird Gersten- und / oder Weizenmalz mit Brauwasser vermischt und die Maische über verschiedene Temperaturstufen zum Teil zum Kochen gebracht. Anschließen trennt man im Läuterbottich Feststoffe von Flüssigkeiten. Aus 100 kg Malz entstehen so 110 bis 130 kg Nasstreber bei einem Trockensubstanzgehalt (TS) von 19 bis 22 %.

Gehalte im Biertreber

Misst man Biertreber am Ausgangssubstrat (wie zum Beispiel Braugerste oder Brauweizen) so hat er einen deutlich geringeren Gehalt an N-freien Extraktstoffen (NfE). Zu diesen Stoffen zählt unter anderem auch die Stärke, da diese im Brauprozess umgewandelt wird.

Der Rohproteingehalt hingegen ist im Biertreber mit durchschnittlich 24 bis 25 % in TS etwa doppelt so hoch wie im Ausgangssubstrat. Somit zählt Biertreber zu den Eiweißfuttermitteln.

Das Rohprotein des Biertrebers enthält etwa 40% UDP (im Pansen unverdauliches Durchflussprotein), was im Vergleich zu anderen Eiweißfuttermitteln hoch ist (siehe Tabelle 1). Somit wird der nXP-Gehalt (nutzbares Rohprotein am Dünndarm) durch den Einsatz von Biertreber deutlich erhöht. Dies hat einen positiven Einfluss auf die Bildung von Milcheiweiß.

Brauweizen und -gerste

Da Brauweizen einen höheren Eiweißgehalt aufweist als Braugerste ist auch im Biertreber aus Weizenbierproduktion ein höherer Eiweißgehalt (~ 28 % in TS) als in Biertreber aus Pilsproduktion (~23 %). Auch der nXP-Gehalt ist im Weizentreber um etwa 2% höher. Aufgrund dieser Unterschiede ist es wissenswert, welcher Biertreber geliefert wird.

Im Energiegehalt von Biertreber sind allerdings deutliche Schwankungen enthalten (5,9 bis 7,3 MJ NEL). Ein zu hoher Anteil an Biertreber in der Ration führt zudem zu einer reduzierten Verdaulichkeit und somit zu einem weiteren Energieverlust.

Rationsgestaltung mit Biertrebersilage

Biertreber wird durch seine hervorragende Schmackhaftigkeit trotz ausgeschöpfter Futteraufnahme zusätzlich aufgenommen. Dadurch steigt die Futteraufnahme und die energetische Versorgung der Tiere.

Da der Trockensubstanzgehalt von Biertreber gering ist eignet er sich ideal zum Ausgleich trockener Silagen. Jedoch muss man bei einer zu hohen Einsatzmenge beachten, dass die Ration nicht zu feucht ist. Angestrebt wird ein Trockensubstanzgehalt in der Ration von 42 bis 48 %. Deutliche Über- oder Unterschreitung führt zu einer verminderten Futteraufnahme.

Die Einsatzempfehlungen an Biertreber in der Milchviehfütterung liegen zwischen 6 und 10 kg Frischmasse. Höhere Einsatzmengen sind individuell zu entscheiden und hängen stark von der Zusammensetzung der restlichen Ration ab.

Besonders in maisbetonten Rationen stellt Biertreber eine gute Ergänzung dar. Die Einsatzempfehlungen liegen hier bei 0,5 bis 1,5 kg Frischmasse je 100 kg Lebensgewicht.

Sonnenblumenextraktionsschrot und Sonnenblumenexpeller

Sonnenblumenextraktionsschrot (SoBluEs) ist ein Nebenprodukt bei der Herstellung von Sonnenblumenöl. Es wird aus geschälten und ungeschälten Samen gewonnen.

Die Ölgewinnung erfolgt in zwei Schritten:

Die Sonnenblumensamen werden geschrotet, erwärmt und anschließend gepresst. Dabei entsteht Sonnenblumenexpeller (SoBluEx) mit einem Restfettanteil von 8 – 18%.

Anschließend wird mit einem Lösungsmittel der Großteil der restlichen Öle extrahiert. Der Restfettgehalt beträgt dann im Extraktionsschrot nur noch 2 – 3%. Das Lösungsmittel wird mittels Druck und heißem Wasserdampf wieder aus dem SoBluEs herausgelöst.

Gehalte im Sonnenblumenexpeller und -extraktionsschrot

Wie auch beim Rapsexpeller ist bei Sonnenblumenexpeller der Gehalt an Rohfett entscheidend für den Einsatz in der Ration. Eine aktuelle Analyse vom Expeller ist unumgänglich, da der Fettgehalt der Gesamtration nicht über 4 % liegen darf. Die Inhaltsstoffe des Extraktionsschrotes und des Expellers hängen erheblich vom Schalenanteil ab. Bei hohen Schalenanteilen vermindern sich die Verdaulichkeit und der Gehalt an weiteren Inhaltsstoffen.

Sonnenblumenextraktionsschrot ist reich an Rohprotein, jedoch arm an Energie und weist daher eine ähnlich positive RNB wie Sojaextraktionsschrot auf. Der Stärke- und Zuckergehalt ist allerdings nur halb so hoch.

Bei der Zusammensetzung der Aminosäuren fällt auf, dass der Lysingehalt im Vergleich zu Sojaextraktionsschrot deutlich geringer ist. Der Methioningehalt ist hingegen gleichwertig zu bewerten.

 

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