Teil 4: Durchfall bei Ferkel

Mit Zusatzstoffen gezielt die Verdauung unterstützen

Am Markt gibt es eine Vielzahl von Produkten, die prophylaktisch gegen Ferkeldurchfall eingesetzt werden. Bei der Wahl der richten Wirkstoffe im Futter sollte stets beachtet werden: Das oberste Ziel aller Maßnahmen ist die Unterstützung der gesunden Funktion des Verdauungstraktes. Ohne vorherige Indikation eingesetzte Fütterungsantibiotika oder hohe Mengen an Zinkoxid, wie früher üblich, bekämpfen nur die Durchfall-Symptome, stabilisieren aber nicht die Leistung des Ferkels. Erfahren Sie heute, welche Möglichkeiten die moderne Fütterung bietet, um fütterungsbedingten Verdauungsstörungen bei Ferkeln effektiv vorzubeugen.

 

Ferkeldurchfall - Bewährte Helfer: Säuren

 

Der Einsatz von Säuren, sowohl organischer als auch anorganischer Natur ist seit langer Zeit gängige Praxis im Bereich der Ferkel und Mastschweine. Bei der großen Anzahl an Säuren und Säurekombinationen stellen sich viele Landwirte jedoch die Frage:

Welche Säure passt am besten zu meinem Betrieb?

Anorganische Säuren sind selten im Einsatz, da sie „nur“ den pH-Wert senken. Organische Säuren dagegen wirken antimikrobiell, da sie in die Mikroorganismen eindringen und dort den pH-Wert verändern. Zudem wird der Eiweiß-Stoffwechsel der Mikroben-Zelle geschädigt. Die Summe der Effekte bedingt dann eine antimikrobielle Wirkungsweise der organischen Säuren.

Für konservierende Aspekte eignet sich zum Beispiel Propionsäure. Sie hat eine sehr gute Wirkung gegen Schimmelpilze, Hefen und Bakterien. Das ist jedoch längst nicht mehr die einzige Anwendungsweise. Besonders bei Ferkeln und auch in der Mast sind freie organische Säuren oft Bestandteil der Mischung. Hier kommt oft Ameisensäure aber auch Kombinationen zum Einsatz, deren Effekte hauptsächlich Verdauungsstörungen verhindern und die Leistung der Tiere verbessern.

In letzter Zeit sind auch immer häufiger geschützte Säuren im Futter zu finden. Die Magensäure kann diese nicht angreifen. Diese geschützte Säuren entfalten ihre antibakterielle Wirkung daher erst im Dünndarm. Besondere Effekte zeigen hier Säuren, die an Glycerol gebunden sind, wie Butter- oder Laurinsäure. Die meisten pathogenen Bakterien, wie z.B. E.coli befinden sich hauptsächlich in den unteren Abschnitten des Verdauungstraktes. Zur Bekämpfung dieser Keime dienen speziell die oben genannten geschützten Säuren, die bis in den Dünn- und Dickdarm gelangen.

 

Aktuelles aus dem Bereich der Enzyme

 

In vielen Futtermischungen für Ferkel und Mastschweine sind mittlerweile die so genannten NSP-Enzyme anzutreffen. NSP (Nicht-Stärke-Polysaccharide) sind Bestandteile der pflanzlichen Faser in Getreide und auch in Sojaschrot. Die NSP wirken antinutritiv und das Schwein kann diese nicht mit Hilfe von körpereigenen Enzymen abbauen. Enzyme, die NSP-Verbindungen spalten sind hauptsächlich Xylanasen und Glucanasen. Durch den Abbau der Faserfraktionen sinkt das Risiko für Verdauungsstörungen und die Futterverwertung wird positiv beeinflusst. Zudem verbessert sich die Verfügbarkeit von Mengen- und Spurenelementen.

 

Mehr Leben im Darm: Probiotika und Prebiotika

 

Bei Probiotika handelt es sich um lebende Mikroorganismen, meist Milchsäurebakterien, die den Darm besiedeln. Sie erfüllen eine Art „Verdrängungsfunktion“. Dort wo sie sich ausbreiten, ist kein Platz mehr für „schlechte“ Keime, die Verdauungsstörungen auslösen können. Probiotika sind seit langem bewährte Zusatzstoffe in der Tierernährung, vor allem seit der Einsatz antibiotischer Leistungsförderer verboten ist. Die Wirkung ist sehr zuverlässig, nicht zuletzt, weil es detaillierte futtermittelrechtliche Zulassungsverfahren und genaue Definitionen der Einsatzmengen für jedes Produkt gibt.

Prebiotika sind im Gegensatz zu den Probiotika keine lebenden Organismen, sondern stellen viel mehr das „Futter“ für diese zur Verfügung. Prebiotika sind Mehrfachzucker, die der Dickdarmflora als Nahrungsquelle zur Verfügung stehen. Zudem blockieren sie die Rezeptoren von Schadkeimen. Dadurch können diese nicht mehr an die Darmwand andocken und dort ihre Toxine abgeben.

 

Was für den Menschen gut ist, kann dem Schwein nicht schaden: Kräuterextrakte und ätherische Öle

 

Seit einigen Jahren rücken die „phytogenen Zusatzstoffe“ immer mehr in den Fokus. Unter den phytogenen Zusatzstoffen sind Kräuter und Gewürze und deren Extrakte zusammengefasst. In Futtermitteln werden sie in der Gruppe der Aromen und Appetitanreger geführt, sie verbessern also den Geschmack und damit die Futteraufnahme.

Vor allem Thymian, Oregano, Salbei und Koriander sind im Bereich der Kräuter von Interesse und scheinen einen positiven Effekt zu haben. Von der Vielzahl der ätherischen Öle sind offenbar vor allem Zimt, Fenchel und auch wieder Oregano vielversprechende Kandidaten. Leider stellt man jedoch immer wieder fest, dass die Wirkung, die in Versuchen dargestellt wird, längst nicht auf allen Praxisbetrieben wiedergefunden wird. Daher ist es unter Rentabilitätsaspekten nur sehr schwierig zu sagen, ob der Einsatz sich lohnt oder nicht. Sicher ist jedoch, dass Kräuter und Gewürze als Futterzusatzstoffe in den kommenden Jahren im Fokus des Interesses bleiben werden, da man sich weiterhin viel von deren Wirkung verspricht.

 

Newcomer: Mittelkettige Fettsäuren

 

Mittelkettige Fettsäuren (auch MCFA genannt) haben eine hemmende Wirkung auf gramnegative und grampositive Keime. Dazu gehören z.B. Streptokokken oder Clostridien. Ähnlich wie die oben beschriebenen organischen Säuren dringen die MCFA in die Zelle ein und zerstören das Bakterium von innen. Die positiven Effekte auf die Stabilität der Verdauung und ein reduziertes Durchfallgeschehen sind auch in der Praxis bereits zu erkennen. Eine Weiterentwicklung der MCFS stellen die MCT dar. Sie haben nicht den unangenehmen Geruch der MCFA, entfalten jedoch eine ähnliche Wirkung. Diese Entwicklung wird in den nächsten Jahren mit Sicherheit weiterhin ein Thema bleiben. Eine Option ist auch die Mischung zwischen unterschiedlichen Säuren und MCTs bzw. MCFAs, um ein optimales Wirkungsspektrum zu erreichen.

 

Fazit

 

Ein ausgefeiltes Säurekonzept mit einer Mischung aus freien und geschützten Säuren bildet die Grundlage für die Durchfallprophylaxe. In Kombination mit Probiotika fördern sie die „guten“ Darmbewohner und hemmen die „schlechten“ Keime. Der Einsatz von NSP-Enzymen ist nicht nur im Hinblick auf die Durchfallprophylaxe sinnvoll, sondern verbessert auch die Futterverwertung. Gerade in Zeiten hoher Futterkosten ist dies für jeden Betrieb interessant. Pflanzliche Extrakte können in einigen Fällen durchaus Durchfall vorbeugen, die Effekte sind jedoch nicht konstant und nicht immer zu verallgemeinern. Hier muss jeder Betrieb individuell sehen, ob solche Präparate für ihn sinnvoll sind. Ein spannender Aspekt sind die mittelkettigen Fettsäuren. Dort sind in Zukunft sicher noch interessante neue Erkenntnisse und praktische Erfahrungen zu erwarten.

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