Vier Wochen in einer anderen Welt

Melanie, Auszubildende zur Fremdsprachen-Industriekauffrau, berichtet

Mein Name ist Melanie Mayer und ich bin seit September 2015 als Auszubildende zur Fremdsprachen-Industriekauffrau bei Sano. Dieser Ausbildungsberuf ist für die meisten wohl ein sehr undurchsichtiger Begriff. Dahinter verbergen sich zwei Ausbildungen, die parallel absolviert werden: Der Grundstock ist die klassische Ausbildung der Industriekauffrau. Dazu kommt die Weiterbildung als Fremdsprachenkorrespondentin in Englisch. Im Rahmen der Ausbildung ist auch ein Auslandspraktikum von vier Wochen enthalten. In meinem Fall wurde der Aufenthalt über die Berufsschule 2 in Landshut organisiert und fand daher mit meiner gesamten Berufsschulklasse statt. Unser Ziel war Malta. Heute möchte ich von diesen vier Wochen in einer anderen Welt berichten.

Ziel des Auslandspraktikums waren neue Kenntnisse im Bereich des Praktikums zu sammeln und mein Können im Englisch-Sprechen zu verbessern. Die Praktikumsstelle, die ich bekam, hatte relativ wenig mit meinem normalen Berufsalltag zu tun. Ich begleitete in den vier Wochen einen Fotografen bei seinen Terminen. Es war sehr spannend zu sehen, wie breit gefächert das Feld dieses Berufes sein kann. Wir hatten Aufträge bei Fußballvereinen, in Restaurants, bei Konferenzen und auch Familien-Shootings. Für mich war dabei die Erfahrung im Restaurant eines der Highlights der Reise. Unser Auftrag war hier das Essen für die Speisekarte und weitere Werbezwecke abzulichten. Um das zu bewerkstelligen, war einiges an Equipment nötig. Manches davon hatte ich vorher noch nie gesehen. Eines davon war eine sogenannte „Lightbox“, in die das Essen hineingestellt wurde und von außen mit Licht bestrahlt wurde. So wirkt das Licht auf dem Bild natürlicher und weicher. Die Verständigung auf Englisch war anfangs noch etwas holprig, jedoch viel mir die Suche nach Wörtern und Sätzen mit der Zeit immer leichter. Neben dem sprachlichen Aspekt, bekamen meine Klassenkameraden und ich schnell zu spüren, dass die Uhren auf Malta anders ticken. Und das obwohl es dort keine Zeitverschiebung gibt. Wir hier in Deutschland leben von klein auf in einer Welt der Pünktlichkeit, Genauigkeit und Strukturiertheit. Viele vergessen daher, dass es Länder gibt, die andere Wege gehen. So wartete ich meist eine halbe Stunde auf das Eintreffen meines Praktikumschefs. Ich plante immer mehr Zeit ein, wenn es mit dem Bus von A nach B gehen sollte. Die Busse erschienen selten zu den angegebenen Zeiten und fuhren einfach vorbei, wenn der Busfahrer meinte, der Bus sei nun zu voll. Gegen Ende meiner Zeit in Malta war ich sehr froh, dass daheim auf mich ein Auto wartete, welches mir jederzeit zur Verfügung steht.

Mein Aufenthalt war neben dem Praktikum auch von meiner Unterkunft in der Gastfamilie geprägt. Die Gastfamilie bestand allerdings nur aus einer Dame mittleren Alters, die neben mir bis zu sechs weitere Mädchen aufgenommen hat. Die anderen Gastschülerinnen und -studentinnen hatten ihre Wurzeln in den unterschiedlichsten Ländern. Unter ihnen war Wendy. Wendy, dessen Vorname eigentlich Shang-Rong lautet, ist eine Gaststudentin von 24 Jahren aus Taiwan. Sie nannte uns den Namen Wendy, weil sie uns das Rufen ihres Namens erleichtern wollte. Häufig verbrachte ich meine Freizeit mit ihr und ihren taiwanesischen Freunden, so sprach ich auch in der Freizeit meistens Englisch. Gleichzeitig lernte ich neben der maltesischen Kultur auch noch die taiwanesische Lebensweise kennen. Ich freue mich sehr, dass so eine internationale Freundschaft entstanden ist, die mir eines Tages hoffentlich die Tür nach Taiwan öffnet. Meine Gastmutter war eine typische Malteserin und so bekamen wir abends immer typisch maltesische Gerichte. Die maltesische Küche ist eine Mischung aus arabischen und italienischen Gerichten. Ich hatte meinen eigenen Haustürschlüssel und konnte so meine Freizeit völlig frei gestalten. Ich gab aber meiner Gastmutter immer Bescheid, wenn ich außer Haus ging. Von ihr bekamen wir auch Tipps für Ausflüge und erkundeten so viele Orte.

Neben den selbst geplanten Ausflügen hatten wir auch einige Ausflüge mit der gesamten Klasse. So haben wir sehr viel von diesem kleinen, charakterstarken Inselstaat gesehen. Ziele waren beispielsweise die Nachbarinsel Gozo oder die Hauptstadt Valletta, die wie viele maltesische Städte durch eine alte, typisch mediterrane Architektur besticht. Das ganze Bild Maltas wird von dem sandfarbenen Kalkstein, dem azurblauen Meer und den internationalen Besuchern geprägt. Es gibt viele schöne Sand- und Steinstrände, die für alle möglichen Wassersportarten genutzt werden. Trotz des häufigen Sonnenscheins war es im April leider noch zu kalt, um sich in die Wellen zu stürzen oder um sonnenzubaden. Während der vier Wochen gab es kaum einen Tag, an dem kein Wind ging. So traf man uns meistens mit Schal und der Windjacke im Schlepptau an.

Für mich war der Aufenthalt in Malta eine Erfahrung, die mir gezeigt hat, manche Dinge – wie mein Auto oder unsere deutsche Zuverlässigkeit – wieder mehr wertzuschätzen. Es war eine wunderbare Zeit, in der ich neue Leute und Perspektiven kennen lernen durfte. Ich habe Erinnerungen gesammelt, die mir keiner mehr nehmen kann. Jedoch ist es immer schön, wieder nach Hause zu kommen.

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Thomas Mayr
Personalreferent für den Agrarbereich
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