Welche Maissorte ist die richtige für meinen Betrieb?

Maisjahr 2020

Maissorte

Welche Maissorte ist die richtige für mich? Landwirte achten meist auf die Parameter Standfestigkeit, Stärkegehalt und Energieertrag. Die Verdaulichkeiten der Maissorten spielt oftmals  eine untergeordnete Rolle. Ein Trugschluss, denn die Verdaulichkeit der Faserbestandteile  (NDF) entscheidet maßgeblich, welche Leistung aus der Maissilage gemolken werden kann.  Wir haben uns die Maissorten und deren Ergebnisse angesehen.Welche Maissorte ist die richtige für mich? 

Ist die Verdaulichkeit der Faserbestandteile hoch, steigt die Umsetzung der Nährstoffe im Pansen, die Futtereffizienz nimmt zu.  Hinzu kommt, dass der NDF-Anteil in Maissilagen gewöhnlich bei etwa 40 Prozent liegt (Abbildung 1) beziehungsweise den Hauptanteil gesunder Milchkuh-Rationen ausmacht (circa 30 Prozent  NDF-Anteil). Steigt zum Beispiel die Faserverdaulichkeit um  einen Prozentpunkt an, sind eine Milchleistungssteigerung von 0,18 kg pro Tag und höhere Trockenmasse(TM)-Aufnahmen zu erwarten. Die Steuerung der NDF-Gehalte und -Verdaulichkeiten  sind daher zwei Stellschrauben zur Verbesserung der Ökonomie und Nachhaltigkeit des Betriebs. Hohe NDF-Verdaulichkeiten müssen keinen negativen Einfluss auf die Standfestigkeit des Be-  standes haben. Hochverdauliche Maissorten weisen eine Zusammensetzung der Faserbestandteile Hemizellulose, Zellulose und Lignin im Zellverbund auf, die eine hohe Faserverdaulichkeit und  gleichzeitig hohe Standfestigkeit des Bestandes sicherstellen.

MAISSILAGEPROBEN AUS DEM LABOR

Um herauszufinden, welchen Einfluss die Wahl der Maissorte  und der Erntezeitpunkt auf die Verdaulichkeit haben, wurden im  Sano Labor eingegangene Maissilageproben aus der aktuellen  Ernte und der Jahre 2018 und 2017 ausgewertet.

Die absolut unverdauliche NDF wird als uNDF240 bezeichnet. Faserbestandteile, die nach 240 Stunden nicht verdaut sind, sind absolut unverdaulich. Lignin ist Teil der uNDF240.

Aus der aktuellen Silomaisernte wurden 28 frühe bis mittelspäte Maissorten verschiedener Saatzuchtunternehmen genommen,  um ein breites Spektrum der aktuell erhältlichen, modernen  Silomaishybriden abzubilden.

KENNZEICHEN DER SILOMAISSORTE

Eine optimale Maissilage/Silomaissorte bringt eine hohe Faserverdaulichkeit (NDFd) mit sich, damit die enthaltenen Nährstoffe sowie fasergebundenen Proteine effizient genutzt werden können. Basierend auf dem DLG respektive deutschen Futterbewertungssystem arbeitet die Sortenzulassung aktuell noch nicht mit Verdaulichkeitsparametern wie der 30-Stunden- NDF-Verdaulichkeit (NDFd30) oder der uNDF240. Ausgewiesen wird stattdessen die Enzym-lösbare-organische-Substanz (ELOS). Der ELOS-Wert soll die Verdaulichkeit der Gesamtpflanze erfassen, wobei die lösliche organische Substanz in vitro unter der Nutzung von Pepsin/Salzsäure- und Cellulaselösung nach 48 Stunden bewertet wird. Die Bewertung erfolgt in den Ziffern 1 bis 7. 7 entspricht dem höchsten ELOS-Wert, der höchsten Gesamtpflanzenverdaulichkeit.

Im Fall der 28 analysierten Maishybriden sind beide, die  bestverdauliche (1: geringster uNDF240-Gehalt) und die am schlechtesten verdauliche Sorte (28: höchster  uNDF240-Gehalt) mit einem ELOS-Wert von 6 eingestuft  (Abbildung 1). Darüber hinaus ist ersichtlich, dass sich  die absoluten Ligningehalte zwischen den gut und  schlecht verdaulichen Hybriden kaum unterscheiden.

Mit der CNCPS-Analyse im Sano Labor gelingt es, hochverdauli-  che Maissilagen/Sorten zu identifizieren. Das Sano Labor trennt  die beiden Parameter Faser- und Stärkeverdaulichkeit auf. Dadurch wird die tatsächliche Umsetzung der Faserbestandteile  in der Kuh noch exakter vorhergesagt.

Im Fall der 28 analysierten Maishybriden zeichnen sich  drei Hybriden durch eine besonders hohe Restplanzen-  verdaulichkeit (1-3: geringste uNDF240-Gehalte) aus.  Die verdaulichste Sorte bringt über 60 Prozent weniger  unverdauliche Faser ins Silo als die unverdaulichste.

In der Gegenüberstellung der drei Sorten mit den jeweils  geringsten und höchsten uNDF240-Gehalten werden die Sortenunterschiede in der Restpflanzenverdaulichkeit offensichtlich  (Abbildung 2). Die Auswertung stellt jeweils den Mittelwert der drei Sorten für die Nährstofffraktionen aNDFom, XP, XS, NDF-  Verdaulichkeiten und Lignin gegenüber. Es zeigen sich deutlich  die hochsignifikanten Unterschiede in den Faserverdaulichkeitsparametern NDFd30, NDFd120, NDFd240. Je höher die NDF-Verdaulichkeit, desto geringer ist der Gehalt an  unverdaulicher uNDF240.

Durch die hohe Restpflanzenverdaulichkeit sind daher die Silagen aus Sorten 1-3 besonders für hohe Leistungen und betriebliche Nachhaltigkeit geeignet.

Der Ligningehalt beeinflusst unter anderem den Anteil an un-  verdaulichen Faserbestandteilen. Nicht nur der absolute Ligningehalt hat Einfluss auf die Verdaulichkeit, sondern auch dessen  Form und Anordnung im Zellverbund.

RICHTIGE SORTENWAHL

Wie wichtig die richtige Sortenwahl für hohe Verdaulichkeit  der Faserbestanteile ist, zeigt die Betrachtung der Stichprobe  von 450 Maissilagen im Sano Labor aus den Jahren 2017 und  2018. Die Maisanalysen wurden auf Basis der Trockensubstanz/ Erntezeitpunkte in die Kategorien Früh bis Spät eingeteilt (Abbildung 3). Die TS-Gehalte unterscheiden sich nach Erntezeitpunkt, die  aNDFom-Gehalte nehmen mit zunehmender Abreife des Bestandes ab und die Stärkegehalte (XS) nehmen zu.

 

Überraschenderweise unterscheiden sich die Faserverdaulichkeiten nach 30, 120 und 240 Stunden nur gering.  Dies lässt den Schluss zu, dass die Sortenwahl einen weitaus größeren Einfluss auf die Restpflanzenverdaulichkeit hat als der Erntezeitpunkt.

Das ist eine gute Nachricht für Landwirte und Veredelungsbetriebe: Die richtige Sortenwahl lässt neben einem breiteren  Erntefenster eine höhere Restpflanzenverdaulichkeit auch bei längerer Abreife zu.

FAZIT

Die Auswertungen im Sano Labor zeigen deutlich, dass die  Faserverdaulichkeit der Maissilagen stark durch die Sortenwahl  beeinflusst wird. Die Sortenwahl hat dabei einen weitaus  größeren Einfluss auf die Restpflanzenverdaulichkeit als der  Erntezeitpunkt. Die korrekte Wahl einer standortangepassten, hochverdaulichen  Maissorte ermöglicht dem Landwirt somit nicht nur die Verbesserung des Einkommens, der Tiergesundheit und betrieblichen  Nachhaltigkeit, sondern erleichtert auch die Ernteplanung durch ein breiteres Erntefenster. Achten Sie deshalb bei der Maissortenwahl für die Aussaat 2020 auf hochverdauliche Maissorten. 

Sprechen Sie ihren Sortenberater auf Maissorten mit hoher Restpflanzenverdaulichkeit (NDFd30) an und profitieren Sie  im folgenden Fütterungsjahr von besseren und nachhaltigeren  Betriebsergebnissen.

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