Sano Zukunftsdialog – Rind Milchviehfütterung 4.0

Vortragsreihe mit Prof. Dr. Michael Hutjens

Die Leistung der Milchkühe steigt stetig. Euter, Leber, Fortpflanzungs- und Ausscheidungsorgane arbeiten auf Hochtouren. Die ausreichende Versorgung mit Nähr- und Wirkstoffen ist wichtiger denn je. Die Ansprüche an die Fütterung werden für den Landwirt zunehmend komplexer. Trends gibt es viele. Doch was ist wirklich wichtig und wie kann ich mein Fütterungsmanagement verbessern? Diese und weitere Spannungsfelder thematisierte Prof. Dr. Michael Hutjens, „Fütterungspapst“ aus den USA in der zweitägigen Veranstaltung „Sano Zukunftdialog Rind – Milchviehfütterung 4.0“.

Das Angebot an Milch steigt. Milch wird zunehmend zu einem „Allerweltsprodukt“. Daher wird es künftig noch wichtiger sein, Futtermittel und die darin enthaltenen Nährstoffe effizient einzusetzen, um gewinnbringend und umweltfreundlich Milch zu produzieren. Prof. Dr. Michael Hutjens aus den USA ist Spezialist in den Gebieten Milchviehfütterung, Rationsberechnung und Futtermittelbewertung. Neben seiner Professur an der renommierten University of Illinois ist er Herausgeber namhafter Studien und in zahlreichen landwirtschaftlichen Organisationen aktiv. Anfang August lud Sano den „Fütterungspapst“, wie er häufig betitelt war, zu der Vortragsreihe „Sano Zukunftsdialog Rind Milchviehfütterung 4.0“ als Referenten und Implusgeber nach Ostdeutschland ein.

Von Frühwarnsystem zu Futterzusatzstoffe

In seinem Vortrag erklärte Prof. Hutjens, dass das Fütterungsmanagement der Kühe auf die Anforderungen in den verschiedenen Leistungsphasen – von Trockenstehzeit bis Laktation – angepasst werden sollte. „Dafür gibt verschiedene Leistungsindikatoren“, so der Rinderexperte. Die Leistungsindikatoren übermitteln dem Landwirt einen Überblick über die aktuelle Situation. Sie sind eine Art Frühwarnsystem für sich ankündigende Probleme. „Vergleichbar mit dem Armaturenbrett im Auto.“

Im Anschluss ging der „Fütterungspapst“ auf die Futterzusatzstoffe ein: „Futterzusatzstoffe sind Futterkomponenten, die als Nicht-Nährstoff wirken.“ Die Top 3 der in den USA verwendeten Zusatzstoffe sind: Puffer, Hefe/Hefekultur, Rumensin. Beim Einsatz empfiehlt der Experte: „Der Landwirt muss die Funktion verstanden haben.“ Sie müssen gezielt innerhalb der verschiedenen Lebens- und Leistungsphasen ausgewählt werden. „Beachten Sie die Wirtschaftlichkeit, also das Kosten-Nutzen-Verhältnis, und die Amortisationszeit. Nur dann macht der Einsatz Sinn“, schloss der Fütterungsprofi.

 

Wissen, was in der Ration ist

Egal ob Mais oder Gras – Silage ist Hauptbestandteil der meisten Rationen. Um die Ration auf die Herde auszurichten, lassen Landwirte ihre Silage im Labor untersuchen. „Doch diese Analyse stellt nur fest: Wie viel ist von welchem Nährstoff enthalten“, erklärte Dr. Paolo Fissore, Tierarzt und Rinderexperte, anschließend. Bei Milchviehhaltern in den USA bereits weit verbreitet findet nun eine neue Analysemethode auch hier in Europa seinen Weg. CNCP-System heißt diese neue Futteranalyse-Methode. Sie gibt an, wie verdaulich einzelne Nährstoffe in der Ration sind – und das nach verschiedenen Zeitabschnitten. Bislang war diese Auswertungsmethode in Deutschland nicht möglich. Mit dem Rock River Laboratory gibt es nun eine Einrichtung, die diese Futteranalyse dem CNCP-System anbietet. Dr. Fissore erklärte in seinem Vortrag die Vorgehensweise von CNCPS in Verbindung mit AMTS. „Das Ergebnis ist ein Pansen Modell. Dieses Pansen Modell zeigt nicht nur, wie viel von welchem Nährstoff vorhanden ist, sondern auch was wird wie schnell abgebaut.“ Die Teilnehmer zeigten großes Interesse an der neuen Auswertungsmethode. Wie Herdenmanagerin Ellen Ortmann-Sternberg: „Das ist ein großer Vorteil für uns. Ich weiß nun genau, was drin ist und kann damit die Ration passgenau ausrichten.“

Prof. Hutjens ging anschließend ebenfalls auf das Grundfutter und die Rationsberechnung ein. „Kühe zu füttern ist halb Wissenschaft, halb Kunst“, bringt es der Fütterungsprofi scherzhaft auf den Punkt. Dabei gibt es laut Hutjens verschiedene Werkzeuge, die einen bei der Bewertung der Ration helfen – von Futtereffizienz, Milchharnstoff, Kot auswaschen bis zu Körperkonditionsbewertung.

Sano Verkaufsleiter für Europa, Luder Eiting, und selbst passionierter Landwirt hatte Praxisbeispiele mitgebracht – frei nach dem Motto aus der Praxis für die Praxis. Er betonte dabei noch einmal die Kenngröße Income over feedcost, also der Milcherlös abzüglich der Futterkosten. Außerdem spiele laut dem Rinderexperten die GVO-freie Fütterung künftig eine noch wichtigere Rolle. Abschließend gab er Tipps, wie sich Eiweißfuttermittel einsparen lassen.

Am Ende der zwei Tage waren sich alle Teilnehmer einig: Seit hunderten von Jahren ist die Kuh gleich, aber es gibt immer wieder neue Trends, Erkenntnisse und Weiterentwicklungen, wie wir die Milchproduktion verbessern können. „Und wir sind noch nicht am Ende“, schloss Prof. Hutjens die Veranstaltung.

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