Fütterungsratgeber: Trockensteher

Milchkuh

Milchkühe im Trockensteherstall

In der Trockenstehphase wird die Kuh auf die nächste Laktation vorbereitet. In dieser Phase nehmen sowohl der Fötus als auch die Gebärmutter, die Plazenta und das Fruchtwasser bei Trockensteher stark zu. Es beginnt die Entwicklung der Milchdrüse für die nächste Laktation. Die Fütterung der Trockensteher muss daher eine optimale Vorbereitung auf die Laktation erreichen.


Vor allem zu Beginn der Laktation stellt die täglich steigende Milchleistung mit dem damit einhergehenden hohen  Calcium- und Energieentzug eine große Herausforderung für den Stoffwechsel der Milchkuh dar. Auch die Kondition und die Futteraufnahme der Kuh müssen passen: Zu magere Kühe haben zu geringe Reserven für die Laktation, während überkonditionierte Tiere schwerer kalben und zu Beginn  der Laktation eine zu geringe Futteraufnahme aufweisen.


Die Trockenstehphase bildet neben weiteren Aspekten den Grundstein für die Wirtschaftlichkeit des Betriebes.

Für ein optimales Management in der Trockenstehphase gilt es daher folgende Kernfragen zu beantworten:

1.  Wie gelingt es, den Calciumstoffwechsel der Kühe für die beginnende Laktation zu trainieren?

2.  Wie gelingt es, zu Laktationsbeginn eine gute „Energieversorgung“ der Kuh zu gewährleisten?

3.  Welche Stellschrauben gibt es, um die Kondition der Kühe  zu erhalten?

 

Merke: Der erste Tag der Laktation ist nicht der erste Tag der Kalbung, sondern der erste Tag des Trockenstehens.

 

Trockensteher - Zusammenhänge in der Trockensteherphase

 

  • Die Trockensteher müssen alle Komponenten der Laktierenden bekommen, damit Pansenbakterien und Pansenzotten leistungsfähig bleiben.
  • Das Einmischen von Stroh sorgt für satte Kühe und verhindert eine Überkonditionierung.
  • Saure Salze senken die Kationen-Anionen-Bilanz (DCAB) und beugen effektiv gegen Milchfieber vor.

 


Futteraufnahme, Kondition & Stoffwechsel

 

Eine zu geringe Futteraufnahme in den Tagen und Wochen nach der Abkalbung stellt die Hauptursache für Stoffwechselerkrankungen dar. Auf diese Futteraufnahme in der Laktation und damit auch auf das Risiko für Stoffwechselerkrankungen, wie z. B. Milchfieber oder Ketose, hat die Fütterung in der Trockenstehzeit für Trockensteher einen großen Einfluss.

Ziel der Trockensteherfütterung ist es, die Kühe in die richtige Ausgangslage für die sich anschließende Laktation zu bringen, sie vor Stoffwechselerkrankungen nach dem Abkalben zu schützen und sie auf die Verdauung der Laktationsmischung vorzubereiten.

Eine wichtige Rolle für eine ungestörte Vormagenverdauung und für die Resorption von Nährstoffen spielt die Schleimhaut von Pansen, Netz- und Blättermagen. Zottenverteilung, Größe und Anzahl sind abhängig von der Beschaffenheit der Ration, insbesondere vom Grundfutter-Kraftfutter-Verhältnis. Bei Wechsel von einer grundfutterreichen auf eine getreidereiche Ration oder von einer Trockensteherration auf eine Ration für laktierende Kühe benötigt die Pansenschleimhaut eine Anpassungszeit von 2 bis 5 Wochen.

Der Grund: Die Entwicklung der Pansenzotten steht in direkter Beziehung zur Menge der fermentierten flüchtigen Fettsäuren. Ein Anstieg von Propion- und Buttersäure tritt bei getreidereichen Rationen auf und geht mit einer vermehrten Durchblutung des Pansenepithels einher. Diese stimuliert die Gefäßsprossung und Epithelzellproliferation. Die Zottenzahl wächst und ebenso ihre Länge von 1,5 bis auf 5,0 cm. Beim Übergang von der Trockenstehperiode in die Frühlaktation muss die Kuh Gelegenheit erhalten, ihren Zottenbesatz zu verstärken, um die Absorptionsfläche zu vergrößern und damit die Resorption zu optimieren. Dieser Vorgang dauert jedoch bis zu 90 Tage. Voraussetzung für einen guten Laktationsstart ist daher eine wiederkäuergerechte Fütterung für Trockensteher.

Jede Komponente sollte jeden Tag gefüttert werden. Auf diese Weise gibt es nie einen Futterwechsel und der Pansen kann zu jedem Zeitpunkt des Jahres 100 % Leistung bringen. Jede Komponente jeden Tag füttern bedeutet:

Die Kühe bekommen auch in der Trockenstehphase alle Komponenten der laktierenden Ration. Um das Futter an den geringeren Nährstoffbedarf anzupassen, wird diese Ration mit Stroh „verdünnt“.

 

Die Lösung: Laktierende TMR + Stroh

 

Mit der Strohbeimischung kann die Kondition der Kühe in der Trockenstehphase „eingestellt“ werden. Gleichzeitig werden die Tiere durch das große Volumen der „verdünnten“ Ration satt. Das Volumen des Verdauungstrakts und die Länge der Pansenzotten bleiben dabei über die Trockenstehphase erhalten. Damit erreichen die Kühe nach der Abkalbung schneller wieder eine hohe Futteraufnahme, und das Einschmelzen von Körpermasse sowie das Risiko einer Ketose werden verringert.

 

Calciumstoffwechsel

 

Der Calciumstoffwechsel stellt sich wie folgt dar: In dieser Phase benötigen die Trockensteher sehr wenig Calcium, da die Milch als größter Calciumentzieher fehlt. Wird in der Trockenstehphase die gleiche Menge Calcium gefüttert wie in der Laktation, so  verringern sich die Calciumtransportkanäle im Darm. Doch auch wenige dieser Kanäle können aus dem vorhandenen „Überfluss“ im Futter den geringen Bedarf des Tieres vom Darm ins Blut transportieren. Nach der Abkalbung steigt der Calciumbedarf mit der wachsenden Milchmenge sehr schnell an. Da nun jedoch nur wenige „Transporter“ zur Verfügung stehen, kann auch bei sehr calcium reichem Futter nicht genügend Calcium ins Blut transportiert werden. Die „Nachproduktion“ neuer Calciumtransporter wird durch den erhöhten Bedarf aktiviert, dauert jedoch einige Tage. Dadurch  ist in den ersten Tagen nach der Abkalbung die Gefahr einer Gebär parese (Milchfieber) sehr hoch.


Problem - Trockensteher: Zu viel Calcium im Futter –  Calciumgehalt im Blut steigt 

 

Calciummangel in der Trockenstehphase

 

Bereits in der Trockenstehphase sollte über das Futter ein geringfügiger Calciummangel erzeugt werden.  Calciumarme Fütterung, z. B. durch calciumfreies  Mineralfutter, ist aufgrund der hohen Calciumgehalte im Grundfutter, wie z. B. in Gras-Silage schwer umzusetzen. Meist liegt der Calciumgehalt der Trockensteherration weiterhin über dem Bedarf der trocken stehenden Kuh. Hohe Kationengehalte im Grundfutter – vor allem Kalium in Gräsern und Leguminosen – erzeugen eine positive Kationen-Anionen-Bilanz (DCAB) und erhöhen so den pH-Wert im Stoffwechsel. >> Die DCAB wird über die Gehalte an Natrium und Kalium (+, basisch) sowie Chlorid und Schwefel  (–, ansäuernd) im Futter berechnet:


DCAB (mEq/kg TM) =  (Na % x 435 + K % x 256) – (Cl % x 282 + S % x 624)


Bei der Berechnung mit obiger DCAB-Formel hat eine Ration mit hohen Grasanteilen eine DCAB von + 200  bis + 250 meq/kg TM (Milliäquivalent pro kg Trockenmasse). In der Trockenstehzeit sollte dieser Wert jedoch deutlich darunter liegen. (Staufenbiel, 2016)


Eine hohe DCAB hemmt die Mobilisierung von Calcium aus dem Skelett und stellt die Hauptursache für das Auftreten von Milchfieber dar. Saure Salze wie z. B. Magnesiumsulfat haben einen hohen Anteil an Anionen (12 % Schwefel und 1,5 % Chlorid). Anionen senken  die DCAB und wirken ansäuernd. Deshalb sind sie ein  idealer Gegenspieler zu hohen Kaliumgehalten.


Durch den Einsatz saurer Salze steigt die Konzentration freien Calciums im Blut. Dieser Anstieg führt zu einer erhöhten Ausscheidung von Calcium über die Nieren sowie im Weiteren zu einer gesteigerten Calciummobilisierung und einer erhöhten Calciumaufnahme am Darm. Durch diese gesteigerte Calciumaufnahme bleibt die Zahl der „Transporter“ während der Trockenstehphase hoch. Damit verbessern saure Salze wie z. B. Magnesiumsulfat die Calciumversorgung der Kuh zum Laktationsbeginn und senken so das Risiko für Milchfieber und Festliegen deutlich.

 

Problem - Trockensteher: Zu wenig Calcium im Futter - Calciumgehalt im Blut sinkt

 

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