Mit CNCPS die Düngeverordnung im Griff

Stellschraube zur Reduktion von N- und P-Ausscheidungen

Die Ration von Milchkühen gestaltet sich in der Regel nach  den Parametern Wirtschaftlichkeit, Gesundheit, Fruchtbarkeit  und Leistung. Mit der Verschärfung der Düngeverordnung tritt  nun ein weiterer Parameter als Protagonist auf die Bühne – die Umwelt. Damit einher geht die Reduktion von Stickstoff- und  Phosphorausscheidungen. Die fünf Zielparameter dabei in  Regie zu führen, stellt selbst erfahrene Betriebsleiter vor Herausforderungen. Was also tun? Wo gibt es Kniffe und Griffe, um Umweltvorgaben, Düngeverordnung und betriebliche Anforderungen erfolgreich zu händeln? Wir stellen Stellschrauben vor, an denen Sie drehen können, um die Vorgaben zu erfüllen.

STEIGERUNG DER FUTTEREFFIZIENZ

Die Futtereffizienz zeigt, wie gut die Kuh das aufgenommene Futter für die Umsetzung in Milchleistung nutzen kann. Je höher die Futtereffizienz, desto weniger Nährstoffverluste über Ausscheidungen treten auf. Berechnet wird sie über die tägliche Milchmenge pro täglich gefressener Futtertrockenmasse. Im Schnitt der Herde sollte die Futtereffizienz zwischen 1,4 und 1,6 liegen. Zahlreiche Faktoren beeinflussen die Futtereffizienz. Ein  wichtiger Stellhebel ist die Qualität der eingesetzten Futtermittel. Hierzu zählen nicht nur die Optimalbereiche der qualitätsbestimmenden Nährstoffe Trockensubstanz, Protein, Stärke, Zucker, NDF, ADF, Gärsäuren und Mineralstoffgehalte, entscheidenden Einfluss auf die Futtereffizienz hat auch die Verdaulichkeit der Faserbestandteile (NDF). Ist die NDF-Verdaulichkeit hoch, können die Faser und fasergebundenen Nährstoffe vom Tier optimal genutzt werden. Ist die NDF-Verdaulichkeit dagegen niedrig, können pro aufgenommenem Kilogramm Trockensubstanz deutlich weniger Nährstoffe vom Tier genutzt werden, die Futtereffizienz sinkt. Die CNCPS-Futteranalyse untersucht die Verdaulichkeit der Faserbestandteile. Das Potential der Futtermittel wird exakt bestimmt für effiziente Futterrationen.

Über die Futterkomponenten hinaus wirken auf die Futtereffizienz noch weitere Faktoren wie das Fütterungsmanagement, die Genetik, das Laktationsstadium und auch die klimatischen Bedingungen.

PROTEINVERSORGUNG – STICKSTOFF EINSPAREN

Vor allem Betriebe mit hohem Tierbesatz stehen vor der Herausforderung, die Stickstoffausscheidungen zu reduzieren. Die noch genauere Futteranalyse und die umfassende Abbildung der Stoffwechselvorgänge im Tier machen es möglich, Stickstoffüberschussausscheidungen zu minimieren.

CNCPS unterscheidet Protein nicht nur in pansenabbaubares und pansenbeständiges Protein, sondern unterteilt Protein anhand des chemischen Aufbaus und der Abbaubarkeit im  Verdauungstrakt in fünf Fraktionen: A1, A2, B1, B2 und C. So lässt sich vorhersagen, welche Mengen an Protein zu welcher Zeit im Pansen respektive Darm zur Verfügung stehen. Das Wissen über Verdaulichkeit und Charakteristik macht es möglich, die Proteinfuttermittel näher am wirklichen Bedarf des Tieres einzusetzen. Eiweißsicherheitszuschläge sind deshalb überflüssig, die Leber wird entlastet. In der Folge sinkt die Stickstoffüberschussausscheidung über Kot, Harn und Milch.

ABBILDUNG 1: DIE FRAKTION DES PROTEINS

Die Futteranalyse nach CNCPS erfasst neben den Fraktionen  des Proteins auch deren Aminosäuremuster. Die Kenntnis von  Aminosäuremuster, Abbaucharakteristik und Passagerate im Tier dient der Voraussage, wo im Verdauungstrakt Aminosäuren freigesetzt beziehungsweise resorbiert werden. Das CNCPS-Rationsberechnungsprogramm zeigt die Bedarfsdeckung der  essentiellen Aminosäuren auf. Dadurch kann der Gesamtproteingehalt in der Ration gesenkt werden. Ein weiterer Vorteil: Pansengeschützte Aminosäuren können gezielt einberechnet werden, um deren positive Eigenschaften auf Tiergesundheit  und Leistung effektiv zu nutzen.

Eine weitere Stellschraube, um die Stickstoffüberschussausscheidungen über Milch, Kot und Harn zu minimieren, ist  die mikrobielle Stickstoff(N)-Ausnutzung zu verbessern. Dazu muss eine optimale Energieversorgung der Pansenmikroben sichergestellt sein. Außerdem ist auf eine optimal eingestellte pansensynchrone Ration zu achten.

Im täglichen Controlling ist der Milchharnstoffgehalt eine bewährte Kennzahl, um die Höhe der N-Überschussausscheidungen zu kontrollieren. In den Niederlanden durchgeführte  Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen den  Milchharnstoffgehalten und Ammoniakemissionen. Daraus leitet sich ab, dass eine Reduktion des Milchharnstoffgehaltes um 1 mg je 100 ml Milch die Ammoniakemissionen um 2,6 Prozent senkt (DLG).

PHOSPHOR–EINSPARUNG

Neben Stickstoff (N) ist Phosphor (P) der zweite Faktor, der bei der Düngeverordnung bilanziert werden muss. Die Phosphorlieferung in Futterrationen steigt. Der Grund: Raps ersetzt vermehrt Soja als Eiweißlieferant und Raps liefert rund 60 Prozent mehr Phosphor als Soja. Überschüssiger Phosphor wird vor allem über den Kot ausgeschieden und belastet die Düngebilanz. Die erhöhten P-Gehalte wirken sich somit direkt auf die erforderliche Zusammensetzung der Mineralfutter aus. In der  Vergangenheit enthielten Mineralfutter deutlich mehr P, weiler von den Landwirten gefordert und mit einem gewissen Sicherheitszuschlag gerechnet wurde. Doch Kühe können, je nach Rationszusammensetzung, auch mit Mineralfutter, das nur wenig oder keinen mineralischen P enthält, erfolgreich gefüttert werden. Das beweisen Forschungsergebnisse aus dem Zentrum für Tierhaltung und Technik in Iden:

  • Der P-Gehalt pro Kilogramm Trockenmasse hat keinen Einfluss  auf die Höhe der täglichen Futteraufnahme.
  • Es ist kein Einfluss des P-Gehalts im Futter auf die Höhe der  Milchleistung erkennbar.

Eine bedarfsgerechte P-Versorgung stellt ausschließlich eine einzelbetriebliche Rationsberechnung sicher. Mit der Analyse der  Mineralstoffgehalte im Grundfutter und dem gezielten Einsatz  von Kraftfutterkomponenten gelingt es, die Phosphorversorgung  optimal einzustellen. So reduzieren Trockenschnitzel und Pressschnitzel die P-Bilanz, indem sie P-reiche Futtermittel wie Mais  und Getreide verdrängen. Körnerleguminosen liefern sehr wenig  Phosphor. Deshalb muss dieser gezielt über Mineralfuttermittel oder weitere Futterkomponenten zugefüttert werden.

VERDAULICHKEITEN VON FUTTERMITTELN KENNEN –  FUTTERMITTEL GEZIELTER EINSETZEN

Herkömmliche Futteranalysemethoden bieten eine zuverlässige  Untersuchung der chemischen Eigenschaften der Futtermittel.  Sie geben jedoch keine Auskunft darüber, wie die Nährstoffe  über die Verweildauer im Tier hinweg genutzt werden. Um einen effizienten Nährstoffeinsatz gewährleisten zu können, ist es wichtig zu wissen, wie die eingesetzten Grund- und Kraftfutter-  mittel im Stoffwechsel der Kuh umgesetzt werden. Die CNCPS- Futteranalyse untersucht deshalb neben den chemischen Nährstoffgehalten auch die Verdaulichkeiten der Faserbestandteile  (NDF) über einen Zeitraum von 240 Stunden.

Je besser und schneller eine Silage für die Kuh nutzbar ist, desto höher sind Futteraufnahme und folglich auch Milchleistung. Untersuchungen belegen: Pro 1 Prozent Anstieg der NDF-  Verdaulichkeit, ist eine Steigerung der Milchleistung um 0,18 kg  pro Tag und höhere Trockenmasseaufnahmen zu erwarten. 

Im Hintergrund des CNCPS-Rationsberechnungsprogramms sind die Stoffwechselvorgänge der Milchkühe hinterlegt. Mithilfe der genauen Abbildung der Stoffwechselvorgänge und der  Futteranalyse nach den Verdaulichkeiten füttern Landwirte die Futterrationen näher am tatsächlichen Bedarf der Tiere. Sie  setzen damit Kraft- und Grundfuttermittel effektiv ein. Nährstoffsicherheitszuschläge können reduziert und damit Vorschriften der Düngeverordnung eingehalten werden und das, ohne zu Lasten von Gesundheit, Leistung und Wirtschaftlichkeit zu füttern.

 

CNCPS-OPTIMIERTE RATION

Welches Optimierungspotential hinter CNCPS steckt, zeigt folgendes Praxisbeispiel: Die Futterration eines Milchviehbetriebes mit 100 Kühen soll nach N- und P-Ausscheidungen optimiert  werden, ohne Leistung einbüßen zu müssen. Auf Basis eines  Gras-Mais-Verhältnisses von 40 zu 60 wird die aktuelle Ration mit  den Energiekomponenten Körnermais und Gerste, ausgewählten  Eiweißkomponenten und einem ausgewogenen Mineralfutter aufgewertet. Die N- und P-Stellschraube: Geschütztes Rapsextraktionsschrot und ein geschütztes Aminosäureprodukt sind neu in der Ration. Dadurch konnte die Menge an pansenverfügbarem Protein auf den tatsächlichen Bedarf gesenkt werden. Abbildung 3 zeigt auf, welches Einsparpotential an N und P in der bestehenden Milchkuhration steckt. Je nach betrieblichen Gegebenheiten ist das Einsparpotential  über den gezielten Futtermitteleinsatz individuell festzusetzen.

FAZIT

Aus der Kombination von tiefgreifender Futteranalyse und Rationsberechnung nach CNCPS können die N- und P-Ausscheidungen über Milch, Kot und Harn erstmalig vorausgesagt und  bei der Rationsgestaltung aktiv beeinflusst werden. Weitere  Einflussfaktoren sind beispielsweise die Jungrinderaufzucht und die Pflanzenproduktion. Je nach betrieblichen Gegebenheiten und Verfügbarkeit von Futtermitteln ergeben sich individuelle Lösungen für nährstoffangepasste Futterrationen.

 

 

 

 

 

 

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